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Wie Informationssysteme den Umgang mit den Folgen der Corona-Pandemie unterstützen können

Wie Informationssysteme den Umgang mit den Folgen der Corona-Pandemie unterstützen können
Das Coronavirus hat erhebliche Einschränkungen für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben gebracht. In Zeiten des «Social Distancing» waren virtuelle Treffen eine Möglichkeit, soziale und wirtschaftliche Aktivitäten fortzuführen sowie persönliche Kontakte aufrechtzuerhalten. Wie aber sind wir damit umgegangen? Wie haben wir das erlebt? Was hat gut geklappt und wo gab es auch Herausforderungen? Was können wir für die Zukunft lernen?

Fünf Forschende vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Liechtenstein initiierten schon sehr früh eine Studie, die sich mit dem digitalen Arbeiten und Leben während der Corona-Pandemie beschäftigt. Die Ergebnisse der Studie wurden nun in einem der Top-Journale weltweit, dem «European Journal of Information Systems», veröffentlicht.

Die Studie* untersucht konkret die Nutzung von Web-Konferenzsystemen (z. B. «Zoom» und «Microsoft Teams») auf Basis von Twitter-Daten: Seit März 2020 sammelten Prof. Dr. Jan vom Brocke, Dr. Janine Hacker, Dr. Johannes Schneider, Joshua Peter Handali und Markus Otto – alle vom Hilti Lehrstuhl für Business Process Management – etwa 3 Millionen Twitter-Nachrichten, die die Nutzung von Web-Konferenzsystemen während der COVID-19-Krise dokumentieren. Der umfangreiche Datensatz wurde mithilfe von Text-Mining-Verfahren ausgewertet.

Die Autoren leiten aus der Datenanalyse eine Reihe von Potenzialen von sowie Herausforderungen bei der Nutzung von Web-Konferenzsystemen ab. Sie stellen fest, dass sich Web-Konferenzsysteme während der Corona-Krise zu einer «sozialen Technologie» entwickelten, die eine neue «virtuelle Geselligkeit» ermöglichte. In Zeiten des «Social Distancing» boten Web-Konferenzsysteme in virtuellen Räumen Zugang zu alltäglichen Aktivitäten und Kontakten. Jedoch wurden diese Systeme nicht nur genutzt, um ehemals physische Treffen mit virtuellen zu ersetzen. So erkannten die Autoren, dass Web-Konferenzsysteme auch Begegnungen mit Personen aus dem erweiterten Kontaktnetzwerk und die Teilnahme an virtuellen kulturellen Veranstaltungen erlaubten. So ist es möglich, dass einige Personen mithilfe dieser Systeme während der Krise besseren Zugang zu sozialen Interaktionen und Aktivitäten hatten als zuvor. Neben neuen Nutzungsformen erarbeiteten die Autoren in ihrer Studie Handlungsempfehlungen und eine Forschungsagenda, um bestehende Herausforderungen von Web-Konferenzsystemen anzugehen und die Möglichkeiten der «Zwangsdigitalisierung» besser auszuschöpfen.

*Hacker, J., vom Brocke, J., Handali, J., Otto, M., Schneider, J. (2020), Virtually in this Together – How Web-Conferencing Systems Enabled a New Virtual Togetherness During the COVID-19 Crisis, in: European Journal of Information Systems (EJIS) (ABDC: A*; ABS: 3; ISI: 3.505; VHB: A).

Die Studie im Journal: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/0960085X.2020.1814680

Prof. Dr. Jan vom Brocke bei Radio L: https://www.radio.li/beitrag_nachhoeren/record/49436/06-10-20/uni-fl-veroeffentlicht-corona-studie
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