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Digital durch die Krise: Innovation als Überlebensstrategie im Handel

Digital durch die Krise: Innovation als Überlebensstrategie im Handel
Das Thema Digitalisierung ist dem Einzelhandel nicht neu, die Corona-Krise hat die Dringlichkeit digitaler Angebote jedoch deutlicher denn je gemacht. Aus den Erfahrungen in der Krise lässt sich Mut zur Innovation schöpfen, sagt Prof. Dr. Ulrich Lichtenthaler von der International School of Management (ISM) in Köln. Er hat die digitalen Bedürfnisse von Händlern und Kunden untersucht und erklärt, warum jetzt nicht nur trotz, sondern gerade wegen Corona ein guter Zeitpunkt ist, um in Digitalisierung zu investieren.

Während der große Konkurrent Online-Handel in der Krisenzeit noch mehr Umsatz verzeichnet, haben Corona-Regulierungen wie temporäre Geschäftsschließungen und die Vorsicht der Kunden stationäre Händler und Dienstleister in eine prekäre Situation gebracht. Ad hoc wurden digitale Angebote aus dem Boden gestampft, um das Geschäft überhaupt fortführen zu können. „Während des bisherigen Höhepunkts der Einschränkungen ging es primär um kurzfristiges Krisenmanagement, um zum Beispiel die Umsatzeinbußen möglichst abzumildern. Neben der Entwicklung von Hygienekonzepten wurde dazu flexibel reagiert, was sehr positiv zu bewerten ist“, sagt Prof. Dr. Ulrich Lichtenthaler, Leiter des Entrepreneurship Institute @ ISM. „Nicht jedes kleine Unternehmen kann seine kurzfristig eingeführten digitalen Services aber auch dauerhaft profitabel beibehalten, wie z.B. den Lieferdienst nach Online-Bestellung. In überarbeiteter Form können Ideen wie ein gemeinsames digitales Loyalitätsprogramm mehrerer Händler jedoch weiter Bestand haben und sind sogar noch wichtiger geworden.“ Gerade in Bezug auf die Kundentreue können den Händlern positive Erfahrungen aus der Corona-Zeit Mut machen: „Viele Händler berichten, dass Kunden in der Krisenzeit vermehrt Gutscheine gekauft oder lokale Geschäfte anderweitig unterstützt haben. Die Innenstädte, Ladeninhaber und Kunden sind wieder näher zusammengerückt, weil sich alle Akteure der Bedeutung des stationären Handels bewusst geworden sind.“

Mit dem erneuten Anstieg der Corona-Zahlen und den einhergehenden strengen Regeln im November sorgen sich viele Einzelhändler vor erneuten Umsatzeinbußen und damit um ihre Existenz. Trotzdem und gerade deshalb sieht Lichtenthaler jetzt den richtigen Zeitpunkt, um in Digitalisierung zu investieren. „Die Unternehmen, die bereits vorab stärker digital aufgestellt waren, sind im Vergleich besser durch die Krise gekommen. Alle anderen sollten sich umso mehr denken: jetzt erst recht! Dabei geht es nicht unbedingt um riesige Investitionen, sondern um eine zielgerichtete Auswahl geeigneter Maßnahmen. Im Online Marketing kann man zum Beispiel auch mit einem vergleichsweise geringen Budget einiges bewirken.“

Um die Digitalisierung lokaler Händler und Dienstleister systematisch anzukurbeln, ist die ISM Teil des Pilotprojekts „Kölner Veedel als lokaler Leuchtturm“, das durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW gefördert wird. Im Projekt mit den Pilotveedeln Rodenkirchen und Lindenthal haben die ISM und das IFH Köln die Bedürfnisse von Händlern und Konsumenten untersucht und ein digitales Geschäftsmodell für das gesamte Veedelangebot entwickelt. Besonders in der Gemeinschaft liegt eine große Chance, meint Lichtenthaler: „Für den einzelnen Händler ist die Entwicklung individueller digitaler Lösungen oft nicht möglich oder nicht attraktiv, aber auf Ebene eines Stadtviertels oder einer gesamten Stadt sieht das ganz anders aus. Es geht also nur mit mehreren Partnern zusammen. Unser Projekt hat durch die Corona-Krise noch mehr an Bedeutung gewonnen.“
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