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Irritationen in den USA über dreijährigen Bachelor-AbschlußFür Zulassung zum Masterstudium in der Regel höhere Voraussetzungen erforderlich

Der vor dem Hintergrund des Bologna-Prozesses auch in Deutschland eingeführte dreijährige Bachelor-Abschluß sorgt hinsichtlich seiner Einstufung und Anerkennung an amerikanischen und kanadischen Hochschulen für Irritationen. Dies berichtet die Zeitschrift „Forschung & Lehre“ unter Berufung auf eine aktuelle Analyse, die die amerikanische Agentur „Educational Credential Evaluators“ (ECE) vorgelegt hat. Die Untersuchung zeigt auf, daß nach der Einschätzung amerikanischer Hochschulen dreijährige Abschlüsse nicht für die Aufnahme eines weiterführenden Studiums, z. B. eines Masterstudienganges, berechtigten. Die Mehrheit der amerikanischen Hochschulen verlange dafür einen vierjährigen Bachelorabschluß. Deshalb seien z. B. einjährige Brückenprogramme oder Aufnahmeprüfungen denkbar. Nach aktuellen Angaben der Hochschulrektorenkonferenz sehen in Deutschland 84 Prozent aller Bachelorstudiengänge (1.220 von insgesamt 1.453) eine Regelstudienzeit von drei Jahren vor.

Der Direktor der Fulbright Kommission in Deutschland, Rolf Hoffmann, bestätigte, daß es an den amerikanischen Hochschulen Unsicherheiten über die Anerkennung dreijähriger Bachelorabschlüsse gebe. Die Irritation der amerikanischen Zulassungsexperten resultiere nach Ansicht Hoffmanns gerade auch aus der Verwendung desselben Begriffs „Bachelor“ für unterschiedliche Abschlüsse. Der amerikanische Bachelor-Abschluß sei allgemeinbildend und viel weniger fachorientiert als der deutsche Bachelorabschluß. Der Fulbright-Direktor sieht durch die Einführung des Bachelors keine Verbesserung gegenüber der bisherigen Praxis, nach der sich z.B. Studenten mit Vordiplom und einem weiteren Jahr an amerikanischen Hochschulen zur Aufnahme in das Graduiertenstudium bewerben konnten. Die Einführung des Bachelor-Abschlusses an deutschen Hochschulen werde die Aufnahmeverfahren an amerikanischen Hochschulen nicht vereinfachen oder verändern, sondern die Amerikaner würden weiterhin „business as usual“ machen, d.h., die fachliche Qualifikation jedes einzelnen Bewerbers prüfen. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu dem mit Deutschland mit dem Bologna-Prozeß verbundenen Ziel, mit der Einführung der Bachelor- und Masterabschlüsse eine größere internationale Akzeptanz der deutschen Abschlüsse zu gewinnen.

Forschung & Lehre 7/2005 ist am 30. Juni 2005 erschienen.
Auszüge der jeweils neuesten Ausgabe können Sie unter http://www.forschung-und-lehre.de lesen.

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