Neuerscheinung: "Führen - Worauf es wirklich ankommt"
Gut 50 Jahre nach ihrer Gründung (1956) gibt es ein neues Standardwerk der Akademie für Führungskräfte zu Management und Führung. Daniel F. Pinnow, Geschäftsführer der Akademie, fasst auf 300 Seiten aktuelle Ansätze der Führungstheorie zusammen und gibt Handlungsempfehlungen für den Umgang mit Mitarbeitern im 21. Jahrhundert. „Führen: Worauf es wirklich ankommt“ heißt das Kompendium, das am 25. November 2005 im Gabler Verlag (Wiesbaden) erschienen ist.
„Führung ist die Kunst, eine Welt zu gestalten, der andere gern angehören wollen“, fasst Pinnow die Quintessenz der unterschiedlichen Ansätze, die das ‚Phänomen Führung’ beschreiben, zusammen. Er ist überzeugt, dass sich diese Welt nur gestalten und ertragen lässt, wenn die Führungskräfte weniger auf Autorität und formale Insignien der Macht pochen und stattdessen Netzwerkbildung, Vertrauen und Empathie in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit setzen. Die kommende Dekade beschreibt Pinnow als „Übergangszeit für das Management“: „Wir wissen, dass Kurskorrekturen bei großen Schiffen immer erst nach einer langen Strecke, also bei großen Konzernen erst nach ein paar Jahren, greifen.“ Dann werde Führung anders verstanden werden, ist Pinnow überzeugt. Bis dahin müsse sich allerdings das neue Führungsverständnis erst noch durchsetzen. So hat der Experte den Eindruck gewonnen, dass „ heutzutage nicht nur das seit vielen Jahren beschworene kooperative Führen immer noch nicht wirklich funktioniert, sondern dass darüber hinaus die Vorzüge des autoritären Führens auch nicht mehr funktionieren.“ Das heißt: „Die charismatischen, fürsorglichen und entscheidungsfreudigen Führungskräfte verheddern sich im Gestrüpp von Konzern-, Internationalisierungs-, Demokratisierungs- und Gesetzeskomplexitäten.“
Führen: In Zukunft nur noch systemisch
In Pinnows Augen fehlt der aktuellen Management- und Führungslehre „Klarheit über das, was wirklich wichtig und praxistauglich ist, was sich bewährt hat und was an zukunftsträchtigen Ideen relevant wird“. Diese Lücke möchte er mit seinem Buch schließen. Deshalb stellt er Ansätze von Führungs-Vordenkern wie Peter F. Drucker, Henry Mintzberg,, Fredmund Malik oder Reinhard Sprenger kompakt anschaulich und mit Bezug auf tägliche Führungsfragen dar. Anschließend beschreibt er seinen Ansatz der „systemischen Führung“: „Systemisch führen“ bedeutet für Pinnow, „ einen eigenen, flexiblen Stil zu haben und diesen den Gegebenheiten, der Organisation und den Menschen, die man führt, jederzeit anpassen zu können, statt nur schematisch mit standardisierten Tools zu arbeiten.“
Das Ganze sehen
Der systemische Blick erweitert den Fokus von der Person oder dem Problem auf die gesamten Zusammenhänge und konzentriert sich weniger auf einzelne Größen als vielmehr darauf, was zwischen den einzelnen Größen bzw. Akteuren geschieht. Durch gezieltes, systematisches Fragen und aufmerksames Zuhören kann man die innere Landkarte einer Person oder einer ganzen Organisation „lesen“. Neben dem Fragen und dem Hören ist das Beobachten eine Grundvoraussetzung für systemisches Handeln: „Andere Ansätze betrachten oft nur offensichtliche, messbare Prozesse, Probleme und Ergebnisse nach einem vereinfachten Ursache-Wirkungs-Prinzip“ kritisiert der Systemiker Pinnow: „Systemische Führung sieht das Ganze, auch das, was nicht auf den ersten Blick ins Auge fällt.“
Buchangabe:
Führen: Worauf es wirklich ankommt
von Daniel F. Pinnow
Wiesbaden: Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler
2005. Ca. 340 S. Geb. EUR 39,90
ISBN 3-8349-0016-8






