Global ScenariosDie neue Zukunftsstudie des Supply Chain Management Institute (SMI) beleuchtet Chancen und Bedrohungen der Welt von morgen
Das Überraschende an der aktuellen Finanzkrise ist nicht, dass sie eintrat. Überraschend ist eher, dass etliche Banken und Anleger der Krise entkamen. Banken, die keine „Ramschkredite“ kauften und Anleger, die nicht auf Lehman-Zertifikate hereinfielen. Warum? Weil sie „den Braten rochen“, was rein wissenschaftlich als „Zukunftskompetenz“ bekannt ist. Um genau diese Fähigkeit von Menschen und Institutionen, die eigene Zukunft zu bewältigen, geht es in der neuen SMI-Studie „Future of Logistics 2025: Global Scenarios“, herausgegeben von der BrainNet Supply Management Group AG. Sie ist die Nachfolge-Studie der im Frühjahr erschienenen, äußerst erfolgreichen „Zukunft der Logistik-Dienstleistungsbranche in Deutschland 2025“ und gleichzeitig deren internationale und interdisziplinäre Erweiterung: Manager, Wissenschaftler, Minister und Politiker aus 16 Nationen wurden zu kritischen Entwicklungen unserer Zukunft befragt.
Die Studie stößt in eine Bildungslücke von Management und Politik vor: „Angesichts dessen, dass keiner von uns der Zukunft entrinnen kann“ so Prof. Dr. Christopher Jahns, Rektor der European Business School (EBS) und Executive Director des SMI, „beschäftigen sich Management, Wissenschaft und Politik viel zu wenig mit ihr.“ Und Dr. Heiko von der Gracht, Leiter des Centers for Futures Studies am SMI, ergänzt: „Es reicht nicht, an eine Zukunft zu denken. Wir müssen lernen, in Alternativen zu denken.“ Genau das tut die Studie. Sie entwirft 20 Alternativen zukünftiger Entwicklungen. Was der Einzelne nicht kann – einen zuverlässigen Blick in die Zukunft zu werfen – schafft die statistische Verdichtung der erhobenen Expertenmeinungen: robuste Entwürfe alternativer Zukünfte. Die zentralen Ergebnisse:
1. Die wahrscheinliche Zukunft
Die Energiekrise bleibt ungelöst
Diese Entwicklung sehen die befragten Experten mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 68% und hoher Einigkeit. Der Pessimismus der Experten überrascht. Sie begründen ihn mit der Vielzahl der Negativfaktoren: die weltweite Bevölkerungsexplosion, die Industrialisierung der BRIC-Staaten und die Unfähigkeit neuer Technologien, diese Entwicklungen zu kompensieren. Außerdem vertreten einige Experten die provokante Ansicht, dass die Lobby-Arbeit der Energieunternehmen den politischen Willen erfolgreich unterbindet, das Energieproblem mit der gebotenen Entschiedenheit anzugehen: Die Zukunft stirbt in der Lobby. Für die internationalen Beschaffungs-, Produktions- und Distributionsnetzwerke heißt das unter anderem: weiter steigende Treibstoffkosten. Als Konsequenz daraus ergibt sich, was sich Globalisierungsgegner seit Jahren wünschen: eine bereichsweise Deglobalisierung. Der Apfel wird zum Beispiel nicht mehr aus Kapstadt, sondern vom Bodensee kommen, die Eier nicht mehr aus Hollands Legebatterien, sondern wieder aus dem Allgäu.
Wir könn(t)en die Welt noch retten
Trotz ungelöster Energiekrise sehen die Experten Hoffnung für die Zukunft. Diese Hoffnung stützt sich auf die Innovationskraft von Wirtschaft und Wissenschaft. 68% der befragten Experten glauben mit sehr hoher Übereinstimmung, dass Innovationen in der Transportlogistik einen substanziellen Beitrag zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs leisten werden. Das heißt: Unsere Ressourcen gehen zur Neige, doch trotzdem werden wir nicht Not leiden, weil es dank Innovationen gelingt, aus immer weniger immer mehr zu machen. Dass dies kein blinder Optimismus ist, zeigen bereits heute Innovationen wie das erste, allein mit Brennstoffzellen angetriebene Flugzeug. Eine Entwicklung, die vor drei Jahren noch in weiten Kreisen als unmöglich angesehen wurde.
Der Wettstreit der Regionen löst den Kampf der Nationen ab
Das sehen die Experten mit 64% Wahrscheinlichkeit und hohem Konsens. Das heißt: Die Produktivität von so genannten Clustern wird als der entscheidende Erfolgsfaktor im globalen Wettbewerb gesehen. Natürlich machen Cluster wie die Hamburger Hafenregion oder das Rhein-Main-Gebiet als das logistische Herz in der Mitte Europas jetzt schon viel von der Wirtschaftskraft des Landes aus – aber oft eher „unabsichtlich“, da noch zu schwach gefördert und vor allem sträflich schwach systematisch verknüpft und vernetzt. „Ein professionelles Clustermanagement entscheidet über die Zukunft der Nationen“, sagt Prof. Dr. Stefan Walter. Für unser Land heißt das konkret: Deutschland ist bereits heute ein Logistikland (beinahe unbemerkt von Öffentlichkeit und Medien) – aber nur so lange, wie seine Logistikcluster denen anderer Länder noch eine Nasenlänge voraus sind.
2. Landkarten der Zukunft
Die Zukunft überrascht
Die Finanzkrise belegt es unschön: Zukunftskompetenz heißt vor allem Überraschungsresistenz. Die Experten kategorisieren sechs potenzielle Überraschungen als „wahrscheinlich“, angefangen von terroristischen Anschlägen auf die globalen Netzwerke über die Bildungsrevolution in den Schwellenländern bis hin zum papierlosen Büro und Transport. Diese Überraschungen tragen das Potenzial der aktuellen Finanzkrise. Falls und wenn sie virulent werden, können und werden sie die Welt, wie wir sie kennen, auf den Kopf stellen. Gleichzeitig werden analog zur aktuellen Finanzkrise jene schadlos oder sogar mit Gewinn den Überraschungen entkommen, die Eventualstrategien parat haben.
Fifty-fifty-Risiken
Während Überraschungen eine relativ geringe Eintrittswahrscheinlichkeit (bei hohen Kollateralschäden) besitzen, sind 50:50-Risiken wörtlich zu verstehen: Es kann so oder so kommen. Die Experten diskutierten eine Reihe solcher Risiken, unter anderem das Risiko, dass entweder die Rohstoffe oder der Fachkräftemangel zum Engpassfaktor der zukünftigen Entwicklung werden. Nahezu alle Experten wünschen sich übrigens, dass Fachkräfte der Engpass der Wirtschaftsentwicklung bleiben.
3. Die Chancen der Zukunft
Die Studie identifiziert insgesamt 120 konkrete Chancen für Wirtschaft und Logistik. Um zwei zu nennen:
Wasser wird das neue Gold
Die Experten sehen eine weltweite Wasserkrise auf uns zukommen, die in den bekannten Krisengebieten auch zu so genannten Water Wars führen wird. Positiv für die Logistik: Sie wird plötzlich zur Hochsicherheitsbranche – Stichwort: gepanzerte Sprudellaster – mit Weltrettungscharakter und entsprechenden Margen.
Die Soziallogistik kommt
In Großstädten grassiert bereits heute ein neuer Notstand: Hilfsbedürftige und Hilfe kommen wegen Intransparenz und Prozessineffizienz nicht zusammen. Die Logistik wird hier helfen (und gute Gewinne machen), indem sie das tut, was sie immer schon tat: Angebot und Nachfrage auf effektive und effiziente Weise zusammenbringen.
Call for Action
Worauf es den Autoren der Studie ankommt, ist nicht nur die kontemplative, sondern vor allem die aktive Bewältigung der Zukunft. „Einige Planungsstäbe in Unternehmen“ sagt Prof. Dr. Christopher Jahns, „arbeiten bereits mit den aufgeworfenen Szenarien. Wer heute in Szenarien denkt, wird morgen eine Zukunft haben.“
Die Studie ist in der BrainNet Science Edition erschienen und kostet 198 Euro.
ISBN: 978-3-941442-00-9
Bezug: http://www.brainnet.com
Das Supply Chain Management Institute (SMI) der European Business School (EBS) ist das Zentrum eines internationalen Netzwerks für Forschung, Lehre und Weiterbildung in den Bereichen Strategie, Logistik, Supply Chain Management, Einkauf und Supply Management. Das Institut bietet sowohl Primärausbildung für Studierende der EBS als auch Fort- und Weiterbildungsprogramme für Führungskräfte an und arbeitet in seinen Forschungsprojekten und Studien eng mit renommierten Partnern aus Wissenschaft und Praxis zusammen. Das SMI verfügt über ein weltweites Netzwerk aus Wissenschaftlern und Unternehmensvertretern und über eigene Standorte in China (Shanghai),Russland(Moskau) und Indien (Bangalore).
Die European Business School (EBS) International University Schloss Reichartshausen gehört seit ihrer Gründung 1971 zu den Hochschulpionieren in der Aus- und Weiterbildung von europäischen
Führungskräften für die zunehmend globalisierenden Märkte. Als staatlich anerkannte private
Wissenschaftliche Hochschule für Betriebswirtschaftslehre versteht sich die EBS als Alternative zum öffentlichen Bildungssystem und positioniert sich als unternehmerisch handelnde Elitehochschule. Elite bedeutet für die EBS kein Privileg, sondern Verpflichtung zu Leistung und Verantwortungsbewusstsein. Die Hochschule legt daher bei ihrer Ausbildung gleichermaßen Wert auf den Erwerb von Wissen und analytische Kompetenzen für das Management wie auf soziale Führungsqualitäten (Leadership).






