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Wirtschaftsstudium ohne Praxisbezug könnte zum Verhängnis werden

Bildungsforscher und Arbeitsmarktexperten gehen davon aus, dass der Bedarf an Akademikern in Industrie und Verwaltung im nächsten Dezennium steigen wird. Die Wirtschaft lechzt geradezu nach praxisnah ausgebildeten Mitarbeitern.

Die deutsche Wirtschaft schafft es momentan nicht, den aktuellen Bedarf an Ingenieuren und Ökonomen zu decken. Der Praxisbezug von wirtschaftsrelevanten Studienabsolventen lässt allerdings immer mehr zu wünschen übrig. Neuere Befragungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) bei Unternehmen und Hochschulen zeigen, dass viele Betriebswirte auf die Anforderungen der Arbeitswelt nur unzureichend vorbereitet sind. Viele der befragten Personaler in westdeutschen Unternehmen stellen bei den jungen Betriebswirten überzogene Karriereerwartungen und fehlende Motivation fest. Ein anderes Problem ist das theorielastige Studium. Allerdings kritisiert jeder achte Personalchef theoretisch-analytische Mängel bei den BWL-Absolventen und vermisst fundierte Grundlagenkenntnisse sowie den geübten Umgang mit mathematischen Methoden. Wenn in einer VWL-Vorlesung über "Geldtheorie" aber fast nur gerechnet wird und die aktuelle Geldpolitik der EZB kein Thema ist, stimmt etwas nicht. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat viele etablierte Theorien und Modelle des Fachs ins Wanken gebracht und gezeigt, dass die Unterrichtsinhalte kontinuierlicher Anpassung bedürfen. Die Theorien früherer großer Ökonomen ließen die meisten Professoren bei der Beschäftigung mit der Krise völlig außer Acht. Es ist traurig, dass viele Fakultäten kaum noch Aspekte der Wirtschaftsgeschichte vermitteln, also frühere institutionelle Konstitutionen sowie soziale und wirtschaftspolitische Entwicklungen.

Um die Praxiskompetenz zu erhöhen, müssen die Studierenden im Transfervermögen und ihrer sozialen Kompetenz unbedingt besser geschult werden. Die zunehmende Komplexität betrieblicher Aufgabenstellungen fordert von den Mitarbeitern mehr soziale Kompetenz und die Fähigkeit, Theoretisches in die Praxis umzusetzen. Nur mit diesen Qualifikationen und verstärkter Kundenorientierung sei der harte internationale Wettbewerb, so das Gros der Personalmanager. Rund 90 Prozent von ihnen sind der Meinung, dass die Hochschulen den künftigen Betriebswirten vor allem Lerntechniken, Präsentationstechniken und Kreativitätstraining vermitteln sollten. Mit der Entwicklung neuer Lernformen haben die Hochschulen auf die Anforderungen der Praxis zumindest teilweise reagiert und bemühen sich um Aktualisierung ihres Lehrangebots.

News der Buse & Grunst Marketing GbR.


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