Zu gute Noten an Unis?
Die Augsburger Wirtschaftswissenschaftler Erik Lehmann, Susanne Warning und Peter Welzel zur Wissenschaftsratsklage über den Trend zu immer besseren Noten und zu deren aufgeregter medialer Verwertung
Anders als der diesbezüglich seit nunmehr ziemlich genau 90 Jahren traditionell traumatisierte Deutsche blicken Ökonomen eher nüchtern auf die Inflation. Sie ist ihnen etwas Vertrautes, ja fast Normales und irgendwie Immerwährendes. Dies freilich ist nicht der eigentliche oder gar einzige Grund, weshalb die Augsburger Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Erik E. Lehmann (Unternehmensführung und Organisation), Prof. Dr. Susanne Warning (Global Business) und Prof. Dr. Peter Welzel (Ökonomie der Informationsgesellschaft) sich erstaunt zeigen über die ihrer Ansicht nach eher eilfertig nickende, denn kritisch hinterfragende mediale Reaktion, die der „Trend zu immer besseren Noten“ an den deutschen Universitäten ausgelöst hat, nachdem diese Entwicklung vom Vorsitzenden des Wissenschaftsrats (WR) auf der Grundlage des aktuellen WR-Arbeitsberichts „Prüfungsnoten an Hochschulen im Prüfungsjahr 2010“ unlängst nicht nur konstatiert, sondern mit einem entschiedenen: „So darfs nicht weitergehen!“ dezidiert kritisch kommentiert wurde.
Lehmann, Warning und Welzel sehen diesen Trend auch – und durchaus auch kritisch. Aber zum einen können die drei Professoren darin „beim besten Willen nicht den Untergang des deutschen Universitätsabendlandes erkennen“. Zum anderen wundern sie sich über die mit kritisch erhobenen Zeigefingern auf so genannte „laxe Universitäten“ und „Kuschelnoten-Fakultäten“ deutende Aufregung auch deswegen, weil die jetzt beklagte Entwicklung aufgrund der zurückliegenden Reformen, die das deutsche Hochschulsystems hat durchmachen müssen – die Stichworte reichen hier von „Bologna“ bis „mehr Konkurrenz“ – absehbar gewesen sei „und bei nüchterner Betrachtung eben einfach als logisch und folgerichtig gesehen werden muss“.
Besonders erstaunt sind sie darüber nicht zuletzt deshalb, weil dieses nun plötzlich als aktuell und brisant aufgekochte „Problem“ gerade in den Reihen derer, „die jetzt eilfertig an den Laxheits- und Kuschelnotenpranger gestellt werden sollen“, bereits vor zehn Jahren nicht nur erkannt, sondern auch artikuliert wurde. „Aber in dem von den Medien nur allzu bereitwillig mitgetaumelten wissenschafts- und hochschulpolitischen Reformrausch galten entsprechende Hinweise und Bedenken nun mal eben einfach als miesmacherisch und folglich als deplatziert, zumal sie womöglich gar zur vor- bzw. noch rechtzeitigen Ernüchterung beigetragen hätten“, so die drei Augsburger Hochschullehrer.
In einem mit „Setzen, sehr gut!“ überschriebenen Diskussionsbeitrag haben Erik E. Lehmann, Susanne Warning und Peter Welzel ihre Verwunderung über die aktuelle Aufregung in Sachen „Noteninflation“ zusammengefasst und detailliert begründet. Der Beitrag steht im Internet unter http://idw-online.de/de/attachmentdata20521.pdf als PDF zum Download zur Verfügung. Bei Nennung der Autor/inn/en ist der Text zum Abdruck frei.






