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Wirtschaftswachstum durch Verwandtschaftsbeziehungen

Dr. Konrad Burchardi aus Stockholm erhielt den Walter-Eucken-Preis für Nachwuchswissenschaftler von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Jena

Regionen im Westen Deutschlands, die zurzeit des Mauerfalls enge familiäre Bindungen mit Ostdeutschland unterhielten, erhöhten ihr Wirtschaftswachstum in der Zeit danach stärker als andere. „Dieses Wachstum beruhte auf den familiären Kontakten“, sagt Dr. Konrad Burchardi vom „Institute for International Economic Studies“ in Stockholm. Der gebürtige Hamburger Burchardi untersuchte gemeinsam mit Tarek Hassan (University of Chicago) mit Hilfe moderner ökonometrischer Methoden, wie sich soziale Kontakte auf individuelles Einkommenswachstum, das Investitionsverhalten von Firmen und aggregiertes Wirtschaftswachstum auswirken. Die Wissenschaftler konnten sogar zeigen, dass westdeutsche Haushalte ein signifikant höheres Einkommenswachstum aufwiesen, sofern sie Verwandte in der ehemaligen DDR hatten. Allerdings schränken die Forscher ein, dass sich so nur 33 Prozent des regionalen Wachstums erklären lassen.

Der 32-jährige Burchardi ist für seine Arbeit mit dem Walter-Eucken-Preis für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet worden. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung verleiht die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Jena für eine herausragende wirtschaftspolitisch relevante Arbeit. „Burchardis Arbeit“, sagt der Dekan der Fakultät Prof. Dr. Andreas Freytag, „erfüllt die geforderte methodische Exzellenz gepaart mit ordnungsökonomischer Relevanz in besonderem Maße.“

Der Preis wurde nach Walter Eucken benannt. Der Sohn des Jenaer Nobelpreisträgers Rudolf Eucken gehörte zu den geistigen Vätern der Sozialen Marktwirtschaft. Walter Eucken begründete die ordoliberale „Freiburger Schule“.

Er sei „äußerst überrascht gewesen“, so Konrad Burchardi, als er erfuhr, den Walter-Eucken-Preis zu erhalten. „Besonders freue ich mich, dass meine Arbeit von einer ostdeutschen Universität ausgezeichnet wurde, weil es sich bei meinen Forschungen um die wirtschaftlichen Entwicklungen und Möglichkeiten nach dem Fall der Mauer dreht“, so der frischgebackene Preisträger.

Konrad Burchardi begann im Herbst 2001 an der Ludwig-Maximilians-Universität München Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Nach dem Vordiplom wechselte er in den Studiengang Volkswirtschaftslehre. Im Rahmen eines Erasmus-Austauschs zog Burchardi im Herbst 2003 nach Aix-en- Provence. Ursprünglich wollte er von dort aus nach München zurückkehren, doch er erhielt eine Zusage, seinen Master im Economics Programme der London School of Economics zu machen.

Heute arbeitet Konrad Burchardi am „Institute for International Economic Studies“ in Stockholm. Sein Hauptinteresse gilt der Entwicklungsökonomie. Aktuell untersucht Burchardi zum einen die Anreizwirkungen von sogenannten Sharecropping-Verträgen für Landwirte in Uganda. Zum anderen wollen die Forscher etwas über die Wettbewerbswirkung von Mikrokreditbanken herausfinden.

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