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Lügenforscher: Darum lügen wir

Lügenforscher: Darum lügen wir
Am 1. April werden wieder Aprilscherze gemacht. Jedes Jahr fallen Menschen auf frei erfundene Geschichten herein. An diesem Tag sind Lügen erlaubt und werden anschließend aufgedeckt. Aber auch an anderen Tagen im Jahr wird gelogen. Warum eigentlich? Ist das immer verwerflich? Und gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern? Diese Fragen beantwortet Dr. Philipp Gerlach, Psychologe und Dozent an der Hochschule Fresenius in Hamburg, im Interview.

Schon Kinder lernen früh: Du darfst nicht lügen. Am 1. April haben wir sozusagen die offizielle Erlaubnis, Unwahrheiten zu verbreiten, um andere damit zu veräppeln. Hier steht sicher die Schadenfreude im Vordergrund. Inwiefern unterscheiden sich Aprilscherze von Lügen?

Der Aprilscherz ist eine spezielle Form der Lüge. Aprilscherze sind gesellschaftlich akzeptiert und dienen i.d.R. nicht dem persönlichen Profit. Man verliert daher auch nicht seinen guten Ruf, wenn man am 1. April jemanden hereinlegt. Ein Grund ist auch, dass Aprilscherze vom Lügner selbst aufgelöst werden („April, April“). Eine solche Auflösung geschieht bei den „üblichen Lügen“ meist nicht durch den Lügner selbst und eher unfreiwillig.

Was sind überhaupt Lügen? Und wie entstehen sie?

Wie Sie beim Aprilscherz vielleicht bemerkt haben, gibt es verschiedene Formen der Lüge. Die Lügen, die wir untersucht haben, dienen dem persönlichen Profit und werden auch „schwarze Lügen“ genannt. „Schwarze Lügen“ sind oft eine Versuchung: Entweder man sagt die Wahrheit oder man entscheidet sich dagegen, um persönlich zu profitieren, z. B. in Form von Geld, sozialer Anerkennung, mehr Wählerstimmen. Normalerweise birgt jede Lüge aber auch das Risiko aufzufliegen. Langfristig ist es i.d.R. besser, wenn man seinen guten Ruf als ehrlicher Mensch behält. Kurzfristig kann es aber sein, dass man der Versuchung nicht wiederstehen kann.

Manchmal kann es auch schmerzhaft sein, die Wahrheit zu hören. Gibt es auch gerechtfertigte Lügen?

Es gibt neben Aprilscherzen und „schwarzen Lügen“ auch „weiße Lügen“. Das sind Lügen, bei denen beide Seiten von der Lüge profitieren. Nehmen wir an, Sie hatten heute so einen richtig miesen Tag. Nun werden Sie von einer Kassiererin gefragt, wie es Ihnen geht. Die Antwort „ach, ganz gut“ erspart Ihnen und der Kassiererin eine lästige Unterhaltung — auch wenn es sich dabei klar um eine Lüge handelt. „Weiße Lügen“ sind daher auch gesellschaftlich akzeptiert, im Gegensatz zu den „schwarzen Lügen“.

Sie haben in Ihrer Studie herausgefunden, dass Männer mehr lügen als Frauen. Woran liegt das?

Ja stimmt, wir haben 565 Experimente mit über 44.000 Teilnehmern untersucht. Im Schnitt haben Männer mehr „schwarze Lügen“ als Frauen erzählt. Der Unterschied war nicht wahnsinnig groß, aber er war recht eindeutig und über viele Experimente hinweg so zu finden. Es ist unklar, warum es zu diesem Geschlechterunterschied kommt. Es gibt Studien, die zeigen, dass Männer risikobereiter sind als Frauen. Diese Risikobereitschaft könnte erklären, warum Männer eher bereit sind, „schwarze Lügen“ zu erzählen. Eine alternative Erklärung ist, dass Frauen häufig prosozialer sind. Einige Studien zeigen, dass Frauen unehrliches Verhalten vor allem dann scheuen, wenn andere Menschen unter den Folgen ihrer Lüge leiden. Beide Erklärungen sind aber reine Spekulationen. Wir wissen es schier nicht.

Über die Hochschule Fresenius
Die Hochschule Fresenius mit ihren Standorten in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Idstein, Köln, München und Wiesbaden sowie dem Studienzentrum in New York gehört mit über 13.000 Studierenden zu den größten und renommiertesten privaten Hochschulen in Deutschland. Sie blickt auf eine mehr als 170-jährige Tradition zurück. 1848 gründete Carl Remigius Fresenius in Wiesbaden das „Chemische Laboratorium Fresenius“, das sich von Beginn an sowohl der Labor-praxis als auch der Ausbildung widmete. Seit 1971 ist die Hochschule staatlich anerkannt. Sie verfügt über ein sehr breites, vielfältiges Fächerangebot und bietet in den Fachbereichen Chemie & Biologie, Design, Gesundheit & Soziales, onlineplus sowie Wirtschaft & Medien Bachelor- und Masterprogramme in Vollzeit sowie berufsbegleitende und ausbildungsbegleitende (duale) Studi-engänge an. Die Hochschule Fresenius ist vom Wissenschaftsrat institutionell akkreditiert. Bei der Erstakkreditierung 2010 wurden insbesondere ihr „breites und innovatives Angebot an Bachelor- und Master-Studiengängen“, „ihre Internationalität“ sowie ihr „überzeugend gestalteter Praxisbe-zug“ vom Wissenschaftsrat gewürdigt. Im April 2016 wurde sie vom Wissenschaftsrat für weitere fünf Jahre reakkreditiert.

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