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Konjunkturelle Entwicklung weiterhin labil

Nach vorläufigen Berechnungen des DIW Berlin war die gesamtwirtschaftliche Produktion in Deutschland im zweiten Quartal dieses Jahres weiter rückläufig. Das von Saisoneinflüssen und Kalenderunregelmäßigkeiten bereinigte Bruttoinlandsprodukt sank gegenüber dem Jahresanfangsquartal um 0,2%. Aufschwungstendenzen waren im zweiten Quartal nicht erkennbar.

Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 32/2003. Besorgnis erregt, dass nicht nur die binnenwirtschaftliche Dynamik fehlt, sondern infolge der Euro-Aufwertung und der sich ausbreitenden Schwäche in den übrigen Ländern des Euroraums nun auch außenwirtschaftliche Impulse ausbleiben.
Im Berichtszeitraum nahmen die realen Konsumausgaben der privaten Haushalte leicht ab. Nach einem Zwischenhoch zu Jahresbeginn haben die Haushalte ihre Ausgaben nun an den Kaufkraftentzug angepasst, der aus den gestiegenen Belastungen durch höhere Beitragssätze bei der Sozialversicherung resultiert.
Die Ausrüstungsinvestitionen stagnierten. Seit Ende 2002 wurde hier immerhin kein Rückgang mehr verzeichnet; die rezessiven Tendenzen scheinen überwunden zu sein.
Die Bauinvestitionen lagen, nach einem erheblichen witterungsbedingten Rückgang in den ersten Monaten des Jahres, nochmals unter dem Vorquartalsniveau.
Die Ausfuhrentwicklung war aufgrund der vorangegangenen Euro-Aufwertung und der insgesamt immer noch schwachen Auslandsnachfrage gedämpft.

Auch die Einfuhren sanken unter das Niveau vom Jahresanfangsquartal. Der Außenbeitrag ging leicht zurück. Das Tempo des Preisauftriebs hat sich im Berichtszeitraum merklich abgeschwächt. Auch wenn sich einige Stimmungsindikatoren inzwischen verbessert haben, wird sich zunächst das Tempo der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung kaum beschleunigen. Für eine solche Entwicklung spricht vor allem, dass die Auftragseingänge in der Industrie aus dem Ausland spürbar gesunken sind. Die Auftragseingänge aus dem Inland waren ebenfalls, wenn auch nicht so stark, abwärts gerichtet. Hinzu kommt, dass laut ifo-Konjunkturtest die Beurteilung der Geschäftslage in der Industrie im Juli ebenso schlecht war wie zuvor. Alles in allem dürfte die Stagnationsphase der deutschen Wirtschaft auch im dritten Quartal dieses Jahres anhalten.

Ölpreise: Höhepunkt dürfte überschritten sein
Bis zum Jahr 2010 dürfte die Produktion in einigen wichtigen OPEC-Ländern aus verschiedenen Gründen geringer steigen als derzeit geplant. Wenn sich das weltwirtschaftliche Wachstum in den kommenden Jahren wieder beschleunigt, dürfte es der OPEC bei einem eher langsamen Wiederaufbau der Ölindustrie im Irak bis zum Jahr 2010 gelingen, die Rohölpreise in ihrem Zielkorridor zu halten, vermutlich eher an seinem oberen Rand. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 32/2003. Wegen der niedrigen Lagerbestände lagen die Rohölpreise Ende Juli am oberen Rand des von der OPEC angestrebten Preiskorridors von 22 bis 28 US-Dollar je Barrel. Die OPEC hat am 31. Juli beschlossen, die Förderquoten (ohne Irak) bis Ende September unverändert zu lassen. Will sie das Risiko eines Preiseinbruchs vermeiden, wird sie allerdings dafür sorgen müssen, dass die gegen Ende des Jahres erwarteten Produktionssteigerungen im Irak durch Produktionskürzungen in anderen Mitgliedsländern ausgeglichen werden.

DIW Berlin
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
German Institute for Economic Research
Königin-Luise-Straße 5
14195 Berlin
Internet: www.diw.de

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