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HHL SpinLab Investors Day: Whyapply und Motionscloud gewinnen Startup-Pitches

HHL SpinLab Investors Day: Whyapply und Motionscloud gewinnen Startup-Pitches
Neues Format für die Venture-Capital- und Startup-Szene in Mitteldeutschland feiert Premiere im Gondwanaland des Leipziger Zoos

Der traditionelle Investors Day der HHL Leipzig Graduate School of Management hat ein neues Veranstaltungsformat für die Corporate-Venture-Capital-Szene (kurz: VC-Szene) gegründet, das aus den beiden Vorgängern HHL International Investors Day und SpinLab Demo Day hervorgegangen ist: Am 18. April 2018 begrüßten Gastgeber Prof. Dr. Stephan Stubner, Rektor der HHL Leipzig Graduate School of Management, und Dr. Eric Weber, Gründer und CEO des SpinLab – The HHL Accelerator, zusammen Vertreter von Unternehmen und VC-Gesellschaften sowie Gründerteams aus dem mitteldeutschen Raum im Gondwanaland des Leipziger Zoos. Das Event bietet Startups aus der Region in der Early-Stage-Phase die Möglichkeit, sich und ihre Innovationen bei potenziellen VC-Gebern zu präsentieren und für ihre Finanzierungsrunden zu werben.

Stephan Stubner betonte in seinen Eröffnungsworten: „Wir sind nicht nur in der Startup-Szene, sondern auch in der Investoren-Szene sehr gut vertreten. Die HHL und das SpinLab fungieren deshalb als perfekte Plattform und Vermittler, um die Venture-Capital-Fonds und Startup-Szene in Mitteldeutschland in Kontakt zu bringen.“

Eric Weber unterstrich zudem die Bedeutung der beiden Institutionen HHL und SpinLab für die Region mit aktuellen Zahlen: 35 HHL Alumni arbeiteten für national und international agierende Fonds; in 40 Startups, die allein das SpinLab in den letzten drei Jahren unterstützt hat, wurden 21,5 Mio. Euro Kapital investiert und dadurch mehr als 200 neue Jobs geschaffen. Zudem weisen die jungen Unternehmen aus SpinLab-Klassen eine Überlebensquote von stolzen 90 Prozent auf.

Bestes Start-up Mitteldeutschlands kommt aus Leipzig

Neben Keynotes und Podiumsdiskussionen zu VC-Fachthemen wurden zwei Pitch-Runden unter den anwesenden Start-ups ausgetragen und die Gewinnerfirmen anhand eines Online-Voting-Verfahrens ermittelt. In der Kategorie „5 beste Startups Mitteldeutschlands“, deren Teilnehmer vorab vom jeweiligen Gründernetzwerk nominiert wurden, konnte sich das Leipziger Startup whyapply – von SMILE nominiert – gegen die starke Konkurrenz durchsetzen. Die Online-Anwendung whyapply bietet datengeschütztes Recruiting ohne Stellenanzeige und Anschreiben und will mit speziellen, User-generierten Inhalten Unternehmen und Personen zusammenführen. Weitere Teilnehmer dieses Wettbewerbs waren Senorics, Ligenium, OVI-LUX sowie Sciflow. Der Gründerpreis ist mit 1.500 Euro von der Karl-Kolle-Stiftung dotiert.

Das Startup Motionscloud wurde im zweiten Pitch „10 Startups SpinLab Demo Day“ als Sieger gekürt. Es bietet eine mobile, modulare und künstliche Intelligenz-basierte Schadensregulierungslösung für Versicherer. Wie Motionscloud befinden sich alle neun weiteren Startups aktuell im sechsmonatigen Förderprogramm des SpinLab. Der Award ist mit zusätzlichen 5.000 Euro Preisgeld von der Stadt Leipzig ausgestattet.

Keynotes und Panel-Diskussionen zu Blockchain und Corporate VCs

Dr. Stefan Schneider von KPMG stellte zu Beginn der Veranstaltung in der ersten Keynote die aktuellen VC-Marktdaten vor und erklärte, dass der positive Trend für VC-Investments in erster Linie durch große Einzeltransaktionen und Later-Stage-Investments geprägt sei. Bei Early-Stage-Investments, an die sich Veranstaltungen wie der HHL SpinLab Investors Day richtet, sieht Schneider noch großes Potential. Zudem seien zwar 8-9% aller deutschen Startups in der mitteldeutschen Region beheimatet, jedoch würden in diese nur 6% des investierten Kapitals fließen.

Einem aktuellen Trend der Branche widmete sich die Paneldiskussion „Kryptowährungen und VC“. Fabian Westerheide (Asgard, VC für Künstliche Intelligenz), Jan Miczaika (Holtzbrinck Ventures), Agnieszka Sarnecka (Neufund) sowie Dr. Sebastian von Allwoerden (CMS) gaben unter der Moderation von Eric Weber spannende Einblicke in die Welt des Blockchain-basierten Crowdfundings ICO (Initial Coin Offering). Sie diskutierten dabei die Chancen der Einfachheit und die Idee der global angelegten Kapitalaufnahme, aber auch einhergehende Gefahren der neuen Technologie, wie die unsichere Rechtslage und das Betrugspotenzial.

Im Anschluss beschrieb Ulrich Schmitz in seiner Keynote die Rolle von Startups bei der Digitalisierung von Unternehmen anhand der Entwicklungen bei seinem Arbeitgeber Axel Springer Digital Ventures und konstatierte: „Ohne die Investitionen in Startups hätten wir unseren sehr hohen Digitalisierungsgrad nicht erreichen können. Man muss sich aber auch bewusst sein: Mit einem Early-Stage-Investment geht man ein besonderes Verhältnis ein –man ist Teil des Erfolgs, aber auch des Misserfolgs.“

In der sich daran anschließenden Paneldiskussion mit Alexander Küppers (Statkraft Ventures), Holger Wagner (EnBW Ventures), Nikolas Samios (Cooperativa/Proptech1) und Jan Borgstädt (JOIN Capital) wurden die Vor- und Nachteile solcher Corporate VCs erläutert. Dabei spiele vor allem die unterschiedliche Interessenslage hinsichtlich Zielen und Bedürfnissen der beteiligten Parteien eine entscheidende Rolle, die nicht zu unterschätzen sei: Während Unternehmen sich einen Zugang zu Innovationen, die Auslagerung ihrer F&E-Abteilung oder ein innovativeres Image versprechen, wollen Startups schnelle Entscheidungen, den Zugang zu Wissen und neuen Märkten oder sie möchten durch den etablierten Partner Referenzen und Vertrauen aufbauen.

Holger Wagner plädierte deshalb, nicht nur auf Seiten der Unternehmen, sondern auch bei den Start-ups selber für eine Art „Investoren-Due-Diligence“ und betonte die Vorteile für beide Seiten: Wachstumsoptionen, Kapital, Wissenstransfer. Gleichzeitig warnte er vor einer übersteigerten Erwartungshaltung seitens der Corporate VCs und sieht die Unternehmen eher als die Türöffner für Startups.

Jan Borgstädt nahm in dieser Diskussionsrunde die Rolle des Advocatus Diaboli ein und vermisste eine entsprechende Fehlerkultur und Geduld, die in den Unternehmen bei solch einem Vorhaben vorhanden sein müssten. Überspitzt konstatierte er: „Wenn ein Fonds nach zwei Jahren noch immer keinen großen IPO gefahren hat, wird er wieder eingestampft.“ Seine Empfehlung lautete deshalb, „lieber in drei bis fünf externe Early Stage Fonds breit investieren.“

Abgerundet wurde das Programm am Abend mit der Möglichkeit eines exklusiven Besuchs des Gondwanalands im Leipziger Zoo. Im Anschluss ging es für das Abendessen und die Preisverleihung gemeinsam in das angrenzende Restaurant.

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