WiWi-News Detail

Interview zum Thema „Soziale Verantwortung“ mit Herrn Olaf Butterbrod



Zur Person
Alter: 45
Position: Chefredakteur Corporate Publishing bei der BayernLB

Herr Butterbrod, Sie kümmern sich in Ihrer Freizeit um Flüchtlingskinder.
Was genau tun Sie da?


Seit dreieinhalb Jahren trainiere ich ehrenamtlich eine Flüchtlings-Fußballmannschaft. Die rund 35 Jungs sind zwischen 17 und 30 Jahre alt und sind aus den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt allein, also ohne Familie, nach Deutschland gekommen.
Unser Miteinander geht jedoch über den Sport hinaus. Ich begleite die Jungs bei Behördengängen, suche einen Job oder eine Wohnung für sie, bin Ratgeber und Zuhörer, wir gehen als Mannschaft gemeinsam ins Theater oder in Ausstellungen, schauen uns im Stadion Fußballspiele an und, und, und.

Wie kamen Sie dazu, auf diese Art und Weise soziale Verantwortung zu übernehmen?

Zwischen meinem letzten Job als Geschäftsleiter einer Werbeagentur und der aktuellen Tätigkeit bei der BayernLB habe ich mir eine zehnwöchige Auszeit gegönnt. In dieser Zeit erfüllte ich mir einen langgehegten Traum und spielte in Tansania mit Waisenkindern Fußball. Dabei stellte ich fest, wie erfüllend dieses Engagement ist – für beide Seiten! Das wollte ich in München unbedingt fortsetzen. Schließlich gibt es kaum etwas Integrativeres als Sport. Und mir selbst schadet regelmäßige Bewegung auch nicht…

Fördert bzw. unterstützt Ihr Arbeitgeber, die BayernLB, Ihr Engagement?

Unbedingt! Die BayernLB hat die Spieler in der gesamten Zeit versichert und mir zudem einen Fußballplatz zur Verfügung gestellt. Mittlerweile steht das Engagement der BayernLB für Flüchtlinge auf einem ganz breiten Fundament: Zwei Kolleginnen geben Flüchtlingen Schwimmunterricht, die Personalabteilung unterstützt Flüchtlinge beim Verfassen von Bewerbungen, Bankmitarbeiter haben Fahrräder für Flüchtlinge gespendet, eine Kollegin hat sogar ein Freizeitprogramm für eine Flüchtlingsunterkunft entwickelt. Und einiges mehr – toll unterstützt vom Arbeitgeber BayernLB!

Wie gehen Sie persönlich mit all den Geschichten und Schicksalen um, mit denen Sie hier konfrontiert werden?

Ich bin geschockt, berührt, betroffen. Vor allem aber werde ich demütig und dankbar – dafür, dass ich nicht in ein Kriegsland hineingeboren wurde und nicht tagtäglich Angst um mein Leben haben muss.

Gab es eine Situation, die Sie besonders beeindruckt hat?

Im Positiven denke ich gern an alle gemeinsamen Unternehmungen zurück, bei denen regelmäßig meine (deutschen) Freunde dabei sind. Dort merke ich immer wieder, wie verschwindend gering die Unterschiede zwischen Flüchtlingen und
Einheimischen eigentlich sind. Negativ? Ja leider, auch das. Zum Beispiel der – glücklicherweise erfolglose – Selbstmordversuch eines meiner Spieler in dem Flugzeug, mit dem er nach Afghanistan abgeschoben werden sollte. Das war vor zwei Jahren. Heute absolviert der Jugendliche erfolgreich eine Ausbildung im Einzelhandel.

Viele Studenten und Studentinnen sehen sich heutzutage einem eng getakteten Vorlesungsplan und einer strikt ausgelegten Studiendauer gegenüber. Dies verunsichert, ob soziales Engagement - und die sich
hieraus evtl. ergebenden Folgen wie z.B. längere Studienzeiten - im Hinblick auf die Arbeitsplatzsuche „lohnen“. Was können Sie diesen jungen Menschen mit auf den Weg geben?


Dass soziales Engagement die Welt zum Guten verändert – und ein Semester mehr oder weniger später womöglich nur eine Randnotiz im Lebenslauf ist. Anders als soziales Engagement, das durchaus auf das Wesen eines potenziellen Mitarbeiters schließen lässt.

Teile diese WiWi-News:

Weitere relevante WiWi-News: